• Zarmina Penner

Identität, Persönlichkeit und Ruf sind nicht dasselbe


Ich hoffe, Sie schließen das Jahr mit einem Gefühl der Zufriedenheit ab. Es ist jetzt die beste Zeit, das Jahr zu reflektieren, uns für alles, was wir gut gemacht haben, auf die Schulter zu klopfen und Verständnis und Mitgefühl für den Rest zu haben. Und es ist auch eine ausgezeichnete Zeit, um alte Gedanken und Dinge, die wir nicht mehr brauchen, zu entrümpeln. Darauf freue ich mich sehr.


Einige von euch hatten in Antwort auf meinen letzten Newsletter zurückgeschrieben und neben sehr netten Kommentaren (danke dafür) folgende Themen angesprochen. Sie baten mich übrigens auch, die Texte ein klein wenig kürzer zu halten; ein guter Rat, dem ich gern hiermit gefolgt bin und es geht sicher noch kürzer und auf den Punkt :):

1) „Ich habe momentan kein Team, das ich führe; daher gelten Ihre Newsletter nicht für mich, was schade ist.“

2) „Warum betonen Sie immer den Aspekt der Persönlichkeit in der Führung. Warum ist es wichtig?"


Hier sind meine Gedanken dazu:

Erstens denke ich, dass wir alle Führungskräfte sind, und zwar sobald wir in der Lage sind, unser Leben selbst in die Hand zu nehmen. Wir führen zumindest unseren Geist und unser Leben. Wir führen auch diejenigen, die von uns abhängig sind. Auch wenn wir weder einen offiziellen Titel noch ein Team haben, sind wir dennoch Führungskräfte. Insofern könnten die hier angesprochenen Themen hilfreich sein.


Warum es wichtig ist, die eigene Persönlichkeit und die der anderen zu kennen:

Wenn ich das Konzept der Persönlichkeit nicht verstehe, gehe ich davon aus, dass jeder so ist wie ich und erwarte, dass er spricht, agiert, denkt und fühlt wie ich. Das stimmt aber nicht. Keiner ist so wie der andere.

Im Leben geht es um die Interaktion mit uns selbst (Selbstgespräche) und mit anderen.

Wenn ich meine Persönlichkeit nicht kenne, könnte ich die negative Kommentierung meines Egos in Selbstgesprächen glauben und sie als Wahrheit akzeptieren.

Wenn ich meine Persönlichkeit nicht kenne, fällt es mir auch schwer, meine Gedanken und Gefühle von denen anderer zu unterscheiden, da wir die Ansichten und Gefühle anderer leicht und unbemerkt übernehmen.


Aber wenn ich meine Persönlichkeit kenne, kann ich bei mir bleiben, entspannt beobachten und mit anderen präsent sein und vor allem nicht erwarten, dass sich andere wie ich verhalten. Mit etwas Übung kann ich ihre Persönlichkeiten ebenfalls identifizieren und dann meine Botschaften so modulieren, dass sie für den anderen einen Sinn ergeben. Die Kommunikation ist auf diese Weise viel einfacher und Sie werden weniger frustriert sein. Man entwickelt stattdessen Neugier auf Menschen.


Stellen Sie sich das so vor: Wir würden nie zwei ganz verschiedene Computer, einen Mac und einen Windows-PC, miteinander verbinden, ohne dass zwischen ihnen ein Übersetzungsprogramm läuft, das sie auf die Interaktion vorbereitet. Zwischen Menschen ist es ähnlich.


Wenn wir über Persönlichkeit sprechen, müssen wir definieren, was sie ist.

Zunächst einmal ist Persönlichkeit nicht Identität und auch nicht der Ruf.


Identität ist das, was wir über uns selbst denken, die Geschichten, die wir uns über uns selbst erzählen. Meistens neigen wir dazu, verzerrte Identitäten zu haben. Entweder halten wir in manchen Aspekten zu viel von uns selbst oder in anderen nicht genug. Ich habe gelernt, meinen Geschichten über mich nicht zu trauen, besonders im emotionalen Zustand. Sie sind in erster Linie unwahr und eine Erfindung meines Egos, um mich sicher und frei von vermeintlichen Verletzungen zu halten.


Experten behaupten, dass die Hälfte unserer Persönlichkeit naturbedingt ist, d. h. wir werden so geboren, und die andere Hälfte ist erziehungsbedingt, d. h. die Umgebung, in der wir aufwachsen, formt uns: unsere Familien, unsere Freunde, unsere Kultur.

Es gibt viele Persönlichkeitsmodelle. Sie können ein Modell auswählen, es studieren und Erfahrungen damit sammeln, indem Sie es oft anwenden. Ich habe mich für das Myers-Briggs-Modell (MBTI) entschieden, vor allem, weil es seinen Ursprung in den Werken von Carl Gustav Jung hat, den ich bewundere, und weil es gute kostenlose Tests dafür gibt. Um das Ganze abzurunden, schlage ich vor, einen Enneagramm-Test zu machen, um den besten Wachstumspfad für sich zu entdecken. Dieser Test deckt auch die angeborene Seite der Persönlichkeit gut ab.


Es ist jedoch der Ruf, der unseren Platz in der Welt bestimmt, d. h. was andere von uns denken und halten (natürlich beeinflussen unsere Identität und Persönlichkeit unseren Ruf).

Um das gut in den Griff zu bekommen, schlage ich Folgendes vor:

1) Lassen Sie die Identität und die damit verbundenen Geschichten über sich einfach fallen. Diese Storys sind frei erfunden. Es ist sehr befreiend, wenn Sie das tun. Wenn Sie sich stolz sagen hören, „Ich bin eine Person, die…“, ist das ein Zeichen, dass Sie gerade aus Ihrer Identität heraus eine Geschichte rezitieren. Da ist das stolze Ego am Werk.


2) Finden Sie Ihre Basis-Persönlichkeit, lernen Sie sie kennen und leben Sie sie. Sie werden mindestens einen zweiten Persönlichkeitstyp haben, in den Sie unter Stress abrutschen. Erkennen Sie das und lassen Sie sich nicht von ihm übernehmen.(Daher ist es sinnvoll, zwei unterschiedliche Tests nacheinander durchzuführen, um multiple Ergebnisse zu haben. Siehe Posts in Oktober und November 2021). Ohne eine feste Identität haben Sie mehr Zeit, um über den Aspekt der Persönlichkeit nachzudenken und die grenzenlose Freiheit, sich laufend weiterzuentwickeln.


3) Fragen Sie diejenigen, die Ihnen die Wahrheit offen sagen können, wie andere Sie wahrnehmen, und hören Sie gut zu, auch wenn es Ihrem Ego vermutlich nicht gefallen wird. Erfahren Sie mehr über Ihren Ruf. Lernen Sie daraus und passen Sie Ihr Verhalten an, indem Sie Ihre emotionalen Auslöser erkennen und weniger bis gar nicht auf sie reagieren. Ja, die Emotionen müssen erlebt und verarbeitet werden, jedoch am besten, wenn Sie allein sind, die Augen schließen können und sich spüren und zuhören können (das ist Reinigungsarbeit und muss nicht unbedingt „Meditation“ heißen.)


Der beste Test, den ich bisher entdeckt habe, um den Ruf zu bestimmen, ist der HOGAN. Ihn gibt es auch auf Deutsch. Wenn Sie diesen Test über Ihre Organisation erhalten können, fordern Sie den „Flash-Report“ an. Er wird Ihnen sagen, was andere über Sie hinsichtlich der Stärken Ihrer Persönlichkeit denken, sowie über Ihre sog. Schwächen und schließlich über Ihre Motive, Werte und Vorlieben. Er ist wirklich von unschätzbarem Wert und erstaunlich treffend.


Mit all dem können Sie sich selbst treu bleiben und sich gegenüber anderen authentisch und angenehm verhalten. Nehmen Sie in diesem bewussten Zustand weiterhin Feedback-Signale auf, beobachten Sie sich selbst und lassen Sie sich kontinuierlich wachsen. Damit sollte Ihrem Erfolg nichts mehr im Wege stehen.

Mit lieben Grüßen Zarmina Penner P.S.: Ich freue mich immer über Ihre Feedbacks und Kommentare.

Foto von Fauxels (Pexels)

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